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8 Tipps vom Profi

Streit in der Beziehung: Konflikte clever lösen

Streit in der Beziehung: Konflikte clever lösen

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Konflikte gibt es in jeder Partnerschaft. Allerdings ist, sich nicht zu streiten, auch keine Lösung. Beziehungsexperte Jörg Scholler verrät im Gentleman-Blog, wie Streit in einer Beziehung konstruktiv geht – und wann es vielleicht besser ist, einfach mal gar nichts zu sagen.

Wenn nach der Leidenschaft der Alltag einkehrt

Anfangs fanden Sie Ihre Liebste vermutlich umwerfend. Störende Angewohnheiten? Gab es nicht. In der Phase der ersten Verliebtheit war die Zeit geprägt von Liebe, Sex und Leidenschaft. Allerdings kehrt irgendwann der Alltag ein.

Spätestens wenn ein Paar zusammenzieht, fällt die rosarote Brille. Stattdessen rücken berufliche Anforderungen und die Bewältigung des Alltags in den Vordergrund. Vielleicht kommen irgendwann Kinder, ein eigenes Haus und eine Hypothek dazu. Das bedeutet reichlich Streitpotenzial.

Warum gibt es Streit in der Beziehung?

Menschen sind unterschiedlich. Wenn zwei Personen sich verbinden, bringen beide verschiedene Persönlichkeiten, Wünsche und Bedürfnisse mit. Diese Verschiedenheit führt irgendwann zwangsläufig zum Streit.

Die Top 7 der Streitthemen zwischen Paaren sind:

  • Hausarbeit
  • Geld
  • Schwiegereltern
  • Kindererziehung
  • Paarzeit
  • Freizeitgestaltung
  • Sex

Wie viel Streit ist normal in einer Beziehung?

„Wir streiten dauernd, ist das normal?“ oder „Ist Streit in der Beziehung gut oder schlecht?“ Diese und ähnliche Fragen stellen sich viele Paare, bei denen regelmäßig die Fetzen fliegen. 

Fest steht: Es ist normal. Auseinandersetzungen gehören zu einer Liebesbeziehung ebenso dazu wie Küssen und Sex. Und nicht selten führt ein heftiger Konflikt am Ende auch zu ebenso heftigem Versöhnungssex. Durch Streitereien werden Emotionen freigesetzt. Ein Paar, das sich nicht zofft, ist sich gleichgültig. 

Wichtig ist nicht die Frage, wie häufig ein Paar streitet. Sondern wie der Krach abläuft. Solange beide Partner respektvoll miteinander umgehen, darf es ruhig laut werden. Das Problem ist eher, dass viele in ihrer Wut die Kontrolle verlieren – und das zerstört am Ende die Partnerschaft.

Der amerikanische Psychologe John Gottman beobachtete Paare bei Konfliktgesprächen. Durch seine Studien ist er in der Lage, das Trennungsrisiko mit einer Sicherheit von über 90 Prozent zu bestimmen. Er identifiziert vier riskante Verhaltensweisen – die sogenannten „apokalyptischen Reiter“ – in Konflikten:

  • Unsachliche Kritik
  • Rechtfertigung
  • Verachtung
  • Mauern

Wenn Paare so agieren, stehen die Zeichen auf Trennung. Wollen Sie Ihre Beziehung retten? Dann hüten Sie sich vor diesen Verhaltensweisen.Streit in der Beziehung

Die vier apokalyptischen Reiter

1. Unsachliche Kritik

Beziehungspartner kritisieren einander nicht konkret. Sie machen vernichtende und verletzende Vorwürfe:

  • „Deine Haare verstopfen immer die Dusche. Wieso holst du sie nie raus? Jedes Mal dieses Theater!“ 

statt

  • „Das Wasser in der Dusche läuft nicht ab, weil deine Haare darin hängen. Warum hast du sie nach dem Duschen nicht rausgeholt?“

2. Rechtfertigung

Kritik führt dazu, dass die angegriffene Person zur Verteidigung übergeht – und verbal zurückfeuert. Einen Angriff will sie schließlich nicht auf sich sitzen lassen. Daraus entstehen Wortgefechte und ein Hin und Her aus Angriff und Gegenangriff.  Dabei geht der gegenseitige Respekt verloren.

3. Verachtung

Beide verletzen sich durch spöttische Bemerkungen, sarkastische Sprüche oder durch Ignoranz:

  • „Du bist ja so unglaublich schlau. Wie wär’s mal mit Mitdenken?“
  • „Geht’s noch? Du übertreibst vollkommen. Tu doch mal normal!“
  • „Ist mir doch egal, was du denkst.“

4. Mauern

Einer der Partner zieht sich schließlich zurück. Er verweigert das Gespräch, beschäftigt sich mit etwas anderem oder geht einfach weg. In diesem Moment reißt die Kommunikation ab. 

Um diese Abwärtsspirale aufzuhalten, gibt es nur einen Weg: Konflikte respektvoll lösen. Wie das geht, verrate ich Ihnen jetzt. Gleich vorweg: Am wichtigsten ist, dass Sie ruhig bleiben. Nur dann gibt es die Chance, gegenzusteuern. 

8 Tipps, um Beziehungskonflikte clever zu lösen

Vermeiden Sie die 4 Gefahren, die Gottman beschreibt. Ihre Partnerin ist die Frau, die Sie lieben. Solange Sie dieses Gefühl aktiv leben, indem Sie liebevolle Dinge tun und Ihrer Freundin Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenbringen, bleibt die Liebe zwischen Ihnen erhalten. 

1. Konkret kritisieren und beim eigentlichen Punkt bleiben

„Nie hältst du dich an unsere Abmachungen!“ ist eine generelle Kritik. Wer seiner Partnerin solch einen Vorwurf macht, fordert eine wütende Reaktion heraus. Das heißt, der Schritt von „unsachlicher Kritik“ zu „Rechtfertigung“ ist innerhalb von Sekundenbruchteilen gemacht.

Bremsen Sie die apokalyptischen Reiter. Werden Sie konkret: „Du hast das Auto nicht wie versprochen ausgesaugt. Das Cockpit ist voller Brötchenkrümel. Ich bin echt sauer!“

Wörter wie „nichts“, „immer“ und „nie“ generalisieren. Das lässt Ihrer Partnerin keine Luft zum Atmen. Sie hält sich bestimmt nicht „nie“ an getroffene Abmachungen. Mag sein, dass es häufiger vorkommt. Aber dafür gibt es möglicherweise Gründe. Die kommen aber nur bei einem ruhigen Gespräch – oder einer lautstarken, aber sachlichen Debatte ans Licht.

2. Kritik annehmen, das eigene Verhalten reflektieren und verändern

Wir alle machen Fehler, vergessen Dinge und enttäuschen unsere Partnerin. Äußert sie berechtigte Kritik? Auch wenn im ersten Moment Wut und Verärgerung in Ihnen hochkommen: Es gehört zu einer erwachsenen Beziehung, Fehler einzugestehen. 

Es geht bei einem Beziehungsstreit nicht darum zu gewinnen. Es geht darum, Probleme zu besprechen, Konflikte zu lösen und Kompromisse zu findenSchließlich wollen Sie miteinander das Leben teilen. Und sich nicht gegenseitig niedermachen.

3. Respektvoll miteinander umgehen

Sarkasmus, Ironie, Beleidigungen und spöttische Bemerkungen („Verachtung“) sind No-Gos. Bei einem Streit liegen zwar die Nerven blank. Trotzdem ist das keine Entschuldigung dafür, ausfallend oder verletzend zu werden.

Hier gilt: Ruhe bewahren. Im Zweifelsfall lieber eine Runde laufen gehen, um so den Stress abzubauen und wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

4. Streitigkeiten bei passender Gelegenheit austragen

Streit in der Öffentlichkeit, vor Kollegen, Kindern, auf der Arbeit oder nach einem langen Tag ist keine gute Idee. Unfreiwillige Zeugen fühlen sich unwohl und peinlich berührt. Auch Sie selbst möchten den Menschen später wieder vor die Augen treten.

Verschieben Sie die Diskussion.

An Ort und Stelle kann dabei nichts Produktives herauskommen. Eher besteht die Gefahr, dass es zu einem kurzen, bösen Wortgefecht kommt, bei dem die „Reiter“ die Oberhand gewinnen.

Während der „Wartezeit“ sollten Sie innerlich nicht Ihren Text für den folgenden Streit proben. Denken Sie stattdessen daran, was Sie an Ihrer Freundin oder Frau lieben. Welche Eigenschaften schätzen Sie an Ihr? Was möchten Sie in Ihrer Beziehung nicht mehr missen? Das verschiebt die Wut-Gefühle in eine bessere Richtung.

5. Konflikte über persönliche Eigenheiten meiden

  • Sie ist immer auf die Sekunde pünktlich. Er nähert sich dem vereinbarten Treffpunkt entspannt im Rahmen des akademischen Viertels.
  • Er plant seine Wochenenden minutiös durch. Sie genießt es, freie Tage spontan zu gestalten.
  • Sie legt Wert auf Sauberkeit. Seine Reinlichkeitsansprüche sind gering.

Bestimmte Streitpunkte sind „Dauerbrenner“. Es lohnt sich zu prüfen, ob es sich dabei um grundsätzliche Konflikte handelt, die nicht lösbar sind. Menschen ändern sich nur aus sich selbst heraus. „Erziehungsgedanken“ sind fehl am Platz.

6. Aus Liebe handeln

Legt Ihre Partnerin Wert darauf, dass das schmutzige Geschirr in die Spülmaschine gestellt wird? Dann machen Sie Ihr die Freude und achten Sie auf Hygiene und Haushalt. Auch wenn Sie Tassen und Teller im Normalfall eine Woche auf der Spüle stehen lassen würden. 

Einfach aus Respekt und Liebe zu ihr, weil ihr Sauberkeit in der Küche so wichtig ist. Das ist kein Nachgeben, Verlieren oder Sich-Verbiegen. Es ist einfach ein Zeichen dafür, dass Sie ein Bedürfnis Ihrer Partnerin erkannt haben. Es ist vollkommen in Ordnung, etwas aus Liebe zu tun – auch ohne es selbst zu befürworten.

Streit in der Beziehung vermeiden


7. Weibliche Sprechweisen verstehen

Viele Frauen äußern ihre Bedürfnisse in verschlüsselter Form. Ein Beispiel: Ein Paar befindet sich auf dem Weg in den Urlaub. Unterwegs bekommt sie Hunger. Statt ihm zu sagen: „Fahr doch bitte an der nächsten Raststätte raus. Ich möchte mir ein belegtes Brötchen holen“, fragt sie ihn: „Möchtest du etwas essen?“ Falls er keinen Hunger verspürt, sagt er „nein“ – und fährt an der Ausfahrt vorbei. Sie sitzt hungrig daneben und fühlt sich möglicherweise nicht wahrgenommen.  

Es ist wichtig, die eigenen Bedürfnisse anzusprechen und aufmerksam für die Wünsche des Partners zu sein. Frauen fällt das oft schwer. Versuchen Sie, ein Ohr für weibliche Sprechweisen zu entwickeln.

8. Pragmatische Lösungen finden

Für manche Konflikte gibt es simple Lösungen: 

  • Streit eskaliert wegen der Hausarbeit? 
  • Es geht immer wieder rund, weil die Renovierung der Wohnung nicht vorangeht? 
  • Die Fetzen fliegen, weil sich niemand für das Fegen und Unkrautzupfen verantwortlich fühlt?

Hier kann es schon helfen, eine Putzkraft einzustellen, die Renovierungsarbeiten an einem Handwerksbetrieb zu übergeben und einen Gartenservice zu engagieren – jedenfalls, wenn die finanzielle Situation es erlaubt. Sonst lassen sich unliebsame Aufgaben vielleicht gemeinsam bewältigen.

Fazit

Streit in der Beziehung ist gut und vollkommen normal. Wichtig ist allerdings, Diskussionen, Auseinandersetzungen und Konflikte mit Respekt auszutragen. Wer unsachliche Kritik anbringt, seine Partnerin verletzt und Streitigkeiten in Machtkämpfe ausarten lässt, riskiert, dass die Beziehung darüber in die Brüche geht. Manchmal lassen sich simple Lösungen finden, die das Zusammenleben sofort entspannen. 

Der Autor

Beziehungsexperte Jörg Scholler

Jörg Scholler

Beziehungsexperte Jörg Scholler ist studierter Psychologe und arbeitet seit 2012 als Coach und Trainer für Kommunikation, Verkauf und Psychologie. Als ehemaliger Pick-Up Artist entschied er sich vor vielen Jahren gegen die Leitsätze und Werte dieser Szene und für eine authentische Art im Umgang mit Menschen. Das Prinzip des Bewusstseins und der Empathie fördert er nun mit seinem Beziehungsratgeber LiebesMeer.de für Männer & Frauen – seit 2021 auch im Gentleman-Blog. Damit hilft er allen, die in ihren Beziehungen noch Fragezeichen im Kopf haben.

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