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Weniger Fehlkäufe, mehr Kombinationsmöglichkeiten

Was in keiner guten Herrengarderobe fehlen sollte

Was in keiner guten Herrengarderobe fehlen sollte

Ein voller Kleiderschrank ist noch lange keine gute Garderobe. Zehn Hemden, fünf Pullover und mehrere Paar Sneaker können vorhanden sein – und trotzdem landet morgens immer wieder dieselbe Kombination auf dem Bett. Das Problem ist selten die Menge. Meist fehlen Kleidungsstücke, die sich untereinander wirklich gut verstehen.

Im Laden fällt das nicht immer auf. Ein Pullover gefällt, die Farbe wirkt interessant, der Preis stimmt. Zwei Wochen später hängt er zwischen den anderen Sachen und bleibt dort, weil er nur zu einer einzigen Hose passt oder sich mit den vorhandenen Jacken beißt. Eine gute Herrengarderobe ist deshalb eher ein Baukasten – im Englischen spricht man von einer Capsule Wardrobe. Ein Hemd sollte nicht nur ins Büro passen, sondern am Wochenende auch offen über einem T-Shirt. Ein Pullover darf unter den Mantel gehen und ebenso zur Jeans. Eine Chino sollte gepflegt aussehen, ohne sofort nach Business zu wirken.

Wer so einkauft, braucht am Ende oft weniger – und hat trotzdem mehr Möglichkeiten.

Klassiker nehmen morgens Arbeit ab

Polohemd, Oxford-Hemd, Chino und feiner Strick klingen zunächst nicht besonders aufregend. Ihr Vorteil liegt woanders: Sie lassen sich mit fast allem kombinieren.

Ein schlichtes Polo passt zu Jeans und Sneakern ebenso wie zu Chino und Loafern. Das Oxford-Hemd lässt sich offen über einem T-Shirt tragen, unter einem Pullover oder mit Sakko deutlich formeller. Feiner Strick kommt solo zur Geltung, über einem Hemd oder unter Mantel und Jacke.

Solche Stücke bilden den ruhigen Teil einer Garderobe. Sie müssen nicht auffallen. Ihre Aufgabe besteht darin, möglichst viele andere Kleidungsstücke miteinander zu verbinden – und damit den Teilen Raum zu geben, die mehr Aufmerksamkeit verdienen.

Navy, Grau, Beige, Weiß und Hellblau passen fast immer zusammen

Eine begrenzte Farbpalette erleichtert das Kombinieren enorm. Navy, Grau, Beige, Weiß und Hellblau harmonieren untereinander, lassen sich über mehrere Jahreszeiten tragen und problemlos um kräftigere Farben ergänzen. Solche zurückhaltenden Farbkombinationen prägen nicht zufällig Stilrichtungen wie Quiet Luxury und den Old Money Style.

Bei Hosen zeigt sich der Effekt besonders deutlich. Eine dunkle Jeans und eine beige oder dunkelblaue Chino decken bereits einen großen Teil des Alltags ab. Dazu ein weißes oder hellblaues Hemd, dunkelblauer Strick und braune Lederschuhe. Das ist noch kein eigener Stil, aber eine Basis, auf der er wachsen kann.

Auffällig darf Kleidung trotzdem sein

Das bedeutet nicht, dass Dunkelgrün, Bordeaux, Rost oder markante Muster aus dem Schrank verschwinden müssen. Eine interessante Jacke, ein kräftiges Polo oder ein ungewöhnlicher Schnitt können einem Outfit Persönlichkeit geben.

Solche Stücke sind lediglich anspruchsvoller. Sie verlangen eine Garderobe, die ihnen den nötigen Raum lässt. Auf einer ruhigen Basis wirken sie am stärksten. Problematisch wird es erst, wenn mehrere Teile gleichzeitig um Aufmerksamkeit kämpfen: Eine auffällige Jacke kommt besser zur Geltung, wenn Hose, Schuhe und Oberteil sich zurückhalten.

Lässiger Look

Passform schlägt Markenname

Eine vielseitige Garderobe nützt wenig, wenn die einzelnen Stücke nicht gut sitzen. Ein hochwertiges Hemd mit zu langen Ärmeln bleibt ein schlecht sitzendes Hemd. Eine teure Chino hilft wenig, wenn sie an Hüfte oder Bein nicht zur eigenen Statur passt.

Die Größe auf dem Etikett ist dabei nur ein Anhaltspunkt. Zwei Hemden in derselben Kragenweite können völlig unterschiedlich ausfallen. Beim Anprobieren helfen ein paar einfache Prüfpunkte:

  • Schulter:
    Die Schulternaht endet am Schulterknochen, nicht davor und nicht auf dem Oberarm.
  • Ärmel:
    Die Hemdmanschette reicht bis zum Handgelenk und schaut unter dem Sakko etwa einen Zentimeter hervor.
  • Taille:
    Das Hemd liegt an, ohne über den Knöpfen zu spannen, und bauscht sich in der Hose nicht auf.
  • Hose:
    Der Saum fällt auf den Schuh und bildet dort höchstens einen leichten Knick.

Kleine Abweichungen sind kein Grund, auf ein gutes Stück zu verzichten. Ärmel und Hosensaum passt ein Änderungsschneider meist für wenig Geld an.

Auch beim Schnitt gilt: Nicht jeder Mann braucht die schmalste Hose, nur weil sie gerade angeboten wird. Ein guter Schnitt folgt der eigenen Figur, statt sie in eine modische Silhouette zu zwingen.

Bei Strick lohnt ein genauer Blick auf das Material

Gerade bei Pullovern sieht man Qualität nicht immer auf den ersten Blick. Wolle kann sich je nach Faser, Verarbeitung und Qualität sehr unterschiedlich anfühlen. Manche Stücke sind weich und dicht, andere gröber oder anfälliger für Pilling.

Einen ersten Hinweis gibt das Etikett. Ein hoher Anteil an Polyacryl hält den Preis niedrig, neigt aber zu hartnäckigen Knötchen. Bei reiner Wolle lohnt der Griff in den Stoff: Ein dichtes, gleichmäßiges Gestrick hält länger in Form als ein lockeres. Leichtes Pilling ist bei weichen Fasern wie Merino oder Kaschmir übrigens normal und lässt sich mit einem Fusselrasierer entfernen.

Das Material sollte außerdem zum Einsatzzweck passen. Ein leichter Merinopullover trägt kaum auf und eignet sich gut unter Sakko oder Mantel. Grober Strick aus Lammwolle wirkt lässiger und wärmt stärker. Baumwollstrick ist eine gute Alternative für die Übergangszeit.

Mindestens ebenso wichtig ist die Pflege. Wolle wird im Wollprogramm oder von Hand gewaschen und liegend getrocknet. Auf dem Kleiderbügel zieht das Eigengewicht den Pullover an den Schultern in die Länge. Gefaltet im Regal bleibt er deutlich länger in Form.

Ein guter Preis zeigt sich erst nach dem Kauf

Sale-Zeiten stellen gute Vorsätze regelmäßig auf die Probe. 50 Prozent reduziert, nur noch eine Größe verfügbar, Aktion endet heute – und plötzlich liegt ein Pullover im Warenkorb, dessen Farbe vorher nie zur Debatte stand.

Gerade Klassiker bekannter Marken tauchen regelmäßig in zeitlich begrenzten Aktionen auf, zum Beispiel im Shopping-Club Lounge by Zalando. Polos, Strick und Hemden gibt es dort etwa in einem Ralph Lauren Outlet. Der Rabatt ist dann ein angenehmer Bonus – aber kein Kaufgrund.

Eine einfache Regel hilft: Ein neues Stück sollte entweder eine Lücke schließen oder mehrere vorhandene Outfits besser machen. Vor dem Kauf lohnen deshalb ein paar Fragen:

  1. Fallen mir sofort zwei oder drei Kombinationen mit Teilen ein, die ich schon besitze?
  2. Sitzt es wirklich gut – oder ist nur der Preis attraktiv?
  3. Gibt es etwas sehr Ähnliches bereits im Schrank?
  4. Passt das Material zu dem, wofür das Kleidungsstück gedacht ist?
  5. Würden mir Farbe oder Muster auch ohne Rabatt gefallen?

Der letzte Punkt trennt häufig den guten Kauf vom Fehlkauf. Der rote Preis auf dem Etikett ist kein Argument dafür, ein Kleidungsstück fünf Jahre lang ungetragen im Schrank aufzubewahren.

Wie viel ein Teil wirklich gekostet hat, zeigt erst der Preis pro Tragen. Ein Pullover für 120 Euro, der über mehrere Winter 60-mal getragen wird, kostet 2 Euro pro Einsatz. Ein Schnäppchen für 40 Euro, das nach fünf Einsätzen aussortiert wird, kommt auf 8 Euro.

Ob sich ein Kauf gelohnt hat, entscheidet sich deshalb im Gebrauch: Wie sieht der Kragen nach mehreren Wäschen aus? Verzieht sich das Shirt? Bleibt der Pullover in Form? Fühlt sich der Stoff nach einem Jahr noch angenehm an?

Lücken finden statt Schränke füllen

Wer seine Garderobe verbessern möchte, muss nicht alles austauschen. Sinnvoller ist es, zunächst herauszufinden, was tatsächlich getragen wird – und was nicht.

Ein einfacher Trick hilft dabei: Alle Kleiderbügel werden einmal verkehrt herum in den Schrank gehängt. Nach dem Tragen kommt das Teil richtig herum zurück. Nach drei bis sechs Monaten ist klar zu sehen, welche Stücke den Alltag bestreiten und welche nur Platz belegen.

Oft zeigt sich dabei: Es fehlen keine Hemden, sondern eine Hose, die zu fünf vorhandenen Oberteilen passt. Statt eines weiteren Sneakers braucht es einen braunen Lederschuh, etwa einen Derby oder Loafer, der Chinos wie Stoffhosen begleitet. Oder der Schrank enthält genug Pullover – nur keinen schlichten in Navy oder Grau.

Stilvoll gekleideter Mann

Wie eine gute Grundausstattung aufgebaut ist

Als Orientierung für eine vielseitige Grundausstattung kann diese Auswahl dienen:

  • eine dunkle Jeans, zwei Chinos in Beige und Navy, eine graue Stoffhose
  • drei Hemden, etwa Oxford in Weiß und Hellblau sowie ein feineres Businesshemd
  • zwei Polos in ruhigen Farben
  • zwei feine Strickpullover in Navy und Grau
  • ein dunkelblaues Sakko
  • ein Paar braune Lederschuhe und ein Paar schlichte weiße Leder-Sneaker

Mit dieser Liste vor Augen verändert sich auch das Einkaufen. Die Frage lautet dann nicht mehr nur: „Gefällt mir das?“ Sondern zusätzlich: „Was kann ich damit anfangen?“

Weniger Teile, mehr Spielraum

Eine gute Herrengarderobe muss weder minimalistisch noch uniform sein. Sie braucht lediglich genug verlässliche Stücke, damit die besonderen überhaupt zur Geltung kommen. Muster, kräftige Farben und ungewöhnlichere Schnitte dürfen gern dazukommen – sobald die Basis steht.

Morgens merkt man den Unterschied sofort: Statt fünfzig Dinge anzuschauen und trotzdem nichts anzuziehen zu haben, greift man zu zwei oder drei Teilen, die zusammenpassen. Eine gute Garderobe erkennt man daran, dass man kaum noch über sie nachdenken muss.

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